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Fleisch für die Welt?

Wenn man es sich einmal ganz realistisch durch den Kopf gehen lässt, ist unsere Welt grausamer als alles, was sich alle Tyrannen der Weltgeschichte zusammen hätten ausdenken können. Vielleicht nicht an allen Ecken und erst Recht nicht in der Öffentlichkeit, aber doch dort, wo niemand hinsieht. Reihenweise Käfige, Futter am Fließband, Tiere, die unter ihrer eigenen Last zusammenbrechen, weil die Züchter profitgeil sind und ein Fleischklopfer oder eine Kreissäge zum Lebensabend; Es mag brutal und krank klingen, ist aber die Grundlage für unser täglich Essen.

Ich habe mir schon oft Gedanken darüber gemacht, ob es sinnvoll wäre, Vegetarier zu werden. Nur bin ich doch der Ansicht, dass wir als Allesfresser einfach dazu legitimiert sind, Fleisch zu essen. Das soll nicht heißen, dass ich heutige gigantische Schlachtbetriebe gutheiße. Nein, im Gegenteil, ich denke, wir würden und müssen mit freundlicheren Methoden auskommen. Höchstwahrscheinlich würde das bedeuten, dass wir uns gezwungen sehen würden, unserem Konsum Grenzen zu setzen, aber ehrlich: Das müssen wir sowieso, nicht nur beim Fleisch! Und je knapper ein Gut ist, desto wertvoller wird es eingeschätzt. Vielleicht würden wir wieder eine echte Achtung vor dem Leben gewinnen.

Nur ändert das letztendlich nichts an der Tatsache, dass Tiere für unsere Ernährung sterben. Selbst wenn wir alle Vegetarier würden, stürben immer noch Pflanzen für uns. Es mag lächerlich erscheinen, sich über das Wohl von Nutzpflanzen Gedanken zu machen. Aber auch sie sind Lebewesen. Wer weiß denn, ob Pflanzen nicht auch fühlen? Wenn einer leben will, muss jemand anderes sterben, das lässt sich wohl nicht ändern. Auch Pflanzen sterben, nur ohne Blut zu lassen oder sich zu beschweren. Es ist ein Dilemma. Es scheint, als müssten wir zerstören, nicht zu viel und nicht zu wenig, um zu überleben.

Im Übrigen ist es zweifelhaft, ob einzelne Vegetarier in den Reihen der reichen westlichen Bürger einen Nutzen für den Tierschutz haben. Es müsste eine Mehrheit gewonnen werden, damit das alles Sinn macht.

Vielleicht gibt es einige Vegetarier oder gar Veganer unter meinen Lesern? Welche Gründe habt ihr, keine Tiere oder Tierprodukte zu essen und seid ihr der Ansicht, dass euer Engagement der Welt hilft?

Wenn die Düsenjäger fliegen, herrscht Krieg.

—  Das weiseste, was ich von meiner Oma je gehört habe.

Deutschland City Girl

Ich höre normalerweise eher weniger Radio und damit auch weniger Popmusik, vor allem weil ich lieber solche Musik mag, die auch etwas ausdrücken und bewegen möchte. Dazu zähle ich im Übrigen Hip Hop, auch wenn viele das nicht wahr haben wollen. In letzter Zeit gibt es aber ein Lied des Genres, das zwar eindeutig nach Aufmerksamkeit schreit, mich aber trotzdem zunehmend beschäftigt. Es mag bescheuert klingen, dass ich mich mit einer solchen Lappalie beschäftige, aber ich meine „Berlin City Girl“ von Culcha Candela.

In der Langfassung des Liedes werden die 17 größten Städte Deutschlands in der fast richtigen Reihenfolge aufgezählt. Es mag vielleicht eine Sache sein, die nur wenigen auffällt, aber nur zwei der genannten Städte liegen im Osten; Leipzig und Dresden. Nun mag es nach Schubladendenken klingen, dass ich hier in Ost und West unterscheide, aber wenn man aus dem äußersten Nordosten der Republik und damit aus der ärmsten Region Deutschlands kommt, fällt einem so etwas von Natur aus auf. Von Eltern und Großeltern bin ich diese geistige Mauer im Kopf gewohnt und ich für meinen Teil versuche, sie einzureißen. Nur beschleicht mich immer und immer wieder dieses Gefühl, dass Deutschland immer noch geteilt ist, dass hier nichts zusammenpasst, dass der Osten irgendwie benachteiligt ist. Wenn man aus meiner Region gen Westen schaut auf so glanzvolle Regionen wie Stuttgart, München, Frankfurt, das Rheinland und so weiter, wird man schon irgendwie neidisch.

Ich war einmal mit meinen Eltern im Schwarzwald. Bei dem Anblick wird man depressiv. Die hübschen Kleinstädte, die leuchtenden Häusern und großen Autos, Blumen überall und in jedem Ort, der dort wohl ein Dorf, bei uns eher eine Kleinstadt wäre, ein verarbeitender Betrieb, der den Menschen Arbeit und Geld verschafft. Sicher gibt es auch bei uns solche Ecken, aber meistens beschränkt sich das auf irgendwelche Seebäder, in denen sich die wenigen Millionäre unserer Gegend tummeln. Auch die Städte sind längst aus ihrem SED-Einheitsgrau auferstanden und leben wieder, zumindest einige. Aber es ist nicht das Gleiche. Hier ist der Wohlstand Sommergast, drüben ist er zu Hause. Die ganze Wirtschaft ist auf den Tourismus ausgelegt, eine Saisonwirtschaft, mit der man sich an die verkauft, die woanders ihr Geld gemacht haben und es nun dringend wieder loswerden wollen.

Zum Thema Geld habe ich noch ein passendes Beispiel: Ich war im letzten Sommer auf einer Sprachreise in Frankreich. Die Reisegruppe bestand aus 40 Leuten. Ich war meines Wissens nach der Einzige aus dem Osten. Wieder so ein Punkt, an dem ich nicht glücklich bin, der zu sein, dem dieses Privileg zuteil wurde, sondern unglücklich, weil es ein Privileg ist. Noch steht die Mauer. Langsam bröckelt sie, aber eben nur langsam. „Berlin City Girl“ zeigt unterschwellig das Ergebnis der Teilung, die noch heute besteht. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, um wieder eins zu werden. Was mich aber positiv stimmt, ist, dass meine Generation kaum noch in Ost und West unterscheidet. Hier sind alle gleich. Und das ist schön so. Dieses elende Ossi-Wessi-Getue hat ein Ende, langsam aber sicher. Auch das zeigt dieses Lied.

Ich bin selbst überrascht, dass mich ein Poplied derart betrifft. Vielleicht wollten Culcha Candela genau das beabsichtigen. In dem Fall ist das Lied doch nicht so kommerziell, wie ich erst dachte, Es eint Deutschland.

Schwarz-Rot-Gold

Bald ist es wieder so weit: Europa feiert den Fußball und Deutschland seine Mannschaft. Wie es spätestens seit 2006 alle zwei Jahre Tradition ist, werden wieder Fahnen geschwenkt und das ganze Land schimmert Schwarz-Rot-Gold. Warum zum Teufel brauchen wir dazu einen Anlass?

Ich möchte einmal eine gewagte These aufstellen: Der Patriotismus in Deutschland ist 1945 gestorben. Lasst es mich erklären: Wer ist heutzutage noch stolz auf sein Heimatland? Wer würde sich öffentlich hinstellen und sagen: „Ja, ich bin stolz, Deutscher zu sein!“? Wer feiert den 3. Oktober, den Tag der Deutschen Einheit, den Tag, an dem uns eine beispiellose friedliche Revolution gelungen ist, um die uns Libyer und Koreaner beneiden? Niemand. Wenn in Dänemark die Einführung der konstitutionellen Monarchie gefeiert wird (5. Juni), stellen alle ihre Flaggen auf, das Land schwimmt in Rot-Weiß. Wenn am 14. Juli in Frankreich der Sturm auf die Bastille gefeiert wird, werden in allen großen Städten des Landes Feuerwerke gezündet. Was geschieht in Deutschland am 3. Oktober? Eine Ländermeile, organisiert vom Staat nach einer Vereinbarung von 1990/91. Herzlichen Glückwunsch.

Wie ich auf 1945 komme? Zur letzten Fußball-WM 2010 gab es einzelne Politiker, die der Ansicht waren, man sollte das Flaggenschwenken einschränken, da sich Neonazis daran aufbauen könnten. Kann es denn ernsthaft wahr sein, dass der erste Gedanke, der einem zu einem fröhlichen Fest der Nation einfällt, den Nazis gilt? Haben wir denn ernsthaft solche Minderwertigkeitskomplexe? Wenn Deutschland ewig auf seine eigene Vergangenheit statt auf die Zukunft schaut, wird sich daran nichts ändern. Es ist kein Wunder, dass britische Boulevardzeitungen sofort mit Nazi-Vergleichen um sich werfen, sobald einem deutschen Politiker auch nur ein Wort der Kritik an der britischen Politik herausrutscht. Wir bemühen uns ja nicht ansatzweise, ihnen ein anderes, weltoffenes, modernes Bild von Deutschland zu vermitteln.

Dabei gibt es so vieles, worauf wir stolz sein können. Die typischen Argumente sind natürlich Autos und Bier, für die/das Deutschland in der ganzen Welt bekannt ist. Tatsächlich sind deutsche Techniken, Maschinen, Systeme und Ingenieure weltweit gefragt. Deutschland ist die tragende Wirtschaftskraft in der EU und der Euro-Zone, einer der größten Exporteure der Welt und der Staat mit der aufwändigsten sozialen Absicherung. Wir sind ein Einwanderungsland und geben hohe Summen an Wirtschafts- und Aufbauhilfe in ärmere Regionen. Deutsche haben (um nur einen Auszug zu nennen) das Auto, das MP3-Format, den Herzkatheder, die Spanplatte, den Kühlschrank, das Faxgerät, den Geigerzähler, das Echolot, den Kaffeefilter, das Corporate Design, das Backpulver, den Aktenordner (welch Wunder), die Brennstoffzelle, die Schreibmaschine, den Kindergarten, das Porzellan, die Klarinette, den Digitalrechner, den Binärcode, die Vakuumluftpumpe und den Buchdruck erfunden. Sicher gibt es auch Kritikpunkte, auch die Atombombe wurde auf Geheiß von Albert Einstein gebaut. Aber solche Beispiele findet man immer, wenn man sie finden will.

Also, welchen Grund gibt es, sich länger zu verstecken? Wir sind nicht alle Nazis, das wisst ihr. Wer eine deutsche Flagge schwenkt, der liebt sein Land einfach. Da gibt es nichts zu kritisieren, denn Patrioten sind nicht gleich Nazis. Nur könnte man das doch auch außerhalb der Fußball-Events zum Ausdruck bringen, oder?